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Mein blaues Cello
2010 | PAOLO-Film, untersttzt von der Hessischen Filmfrderung, 62 Minuten


Er ist auf den groen und kleinen Bhnen Frankfurts zuhause, spielt bei Ausstellungserffnungen und Jubilen, bei Hochzeiten und Todesfllen. Mit seinem Cello tanzt Frank Wolff durch Deutschland und manchmal um die halbe Welt. Ich fhle mich als Weltmusiker. Ich suche das Weite und komme gerne zurck, um das Erlebte zu verarbeiten und etwas daraus zu machen. Frankfurt fr Frank Wolff ist es die Stadt mit den scharfen Kontrasten, hsslich und gleichzeitig schn. Vieles, was ich mit dem Cello gefunden oder erfunden habe, wre vielleicht anderswo so nicht entstanden.

Ein Film von Wolfgang Wrker
Kamera: Riccardo Brunner sowie Wolfgang Wrker, Pavel Schnabel, Wolfgang Raith, Bahman Kormi
Schnitt: Wolfgang Wrker, Jrg Schmmel
Ton: Britta Kastern, Enzio Edschmid
Redaktion: Sylvia Strasser






Als Frank zehn Jahre alt wird, freundet er sich zum ersten Mal und fr immer mit dem Cello an. Es ist mein Raum. Franks Bruder KD Wolff, heute erfolgreicher Verleger in Frankfurt, erinnert sich an die gemeinsame Kindheit im Hessischen Hinterland: Die Eltern waren ja Pfarrerskinder, auf der explizit religisen Ebene war das zwar vollkommen futsch, aber in der Musik war das protestantische Pfarrhaus sozusagen immer weiter vorhanden. Alles drehte sich darum.

Frankfurt, die Stadt am Horizont, hat fr die Wolff-Brder eine starke Anziehungskraft aus. In den spten sechziger Jahren werden sie hier Sprecher der Protestbewegung. Frank ist der einzige Schler Adornos, der nicht nur Soziologe ist, sondern auch Musiker. Bei Adorno lernt er das Staunen ber die Musik. Das als brgerlich verrufene Cello ruht nur fr kurze Zeit. Protestantismus und studentischer Protest, Ernst und Heiterkeit, Harmonie und schrille Tne, alte und neue Musik: als Solist wie im Ensemble hat Wolff schnell einen unverwechselbaren Stil entwickelt. In Anlehnung an Jimi Hendrix spielt er seine Version des Deutschlandlieds. Und wird damit weit ber die Landesgrenzen hinaus bekannt. Wenn Sie wollen, sagt Daniel Cohn-Bendit, Politiker im Europaparlament, ist es das Hochpolitische an seinen Auftritten: ohne ein Wort, ohne einen Satz, ohne Geschwafel und ohne Kitsch wird eine Generation auf einen Begriff gebracht - das Verhltnis einer Generation zu eben dieser Nationalhymne.

Der Film folgt Frankfurts Stadtstreicher (Petra Roth in ihrer Rede zur Verleihung der Goetheplakette) schlielich in jene Grenzbereiche, in denen Musik aufhrt und das Gerusch beginnt. Er zeigt Gegenwart und Vergangenes, erzhlt von Leben und Tod. Vor fnf Jahren starb Anne Brenz, Wolffs Partnerin auf der Bhne und im Leben. Das Cello hat ja nicht nur etwas Sentimentales und Romantisches, sondern auch etwas Melancholisches. Das bin ich auch, nicht nur vom Gefhl und der seelischen Verfassung. Es ist auch ein Teil von meinem Krper.

Der Titel Mein blaues Cello erinnert an ein Gedicht von Else Lasker-Schler. Dieses Gedicht umschreibt fr Frank Wolff die Klangfarbe seines Instruments.

Gedreht in Frankfurt und Umgebung, an der Mosel und auf Helgoland, in Berlin und Oslo. In der Reihenfolge des Auftretens wirken weiter mit: der Snger und Dirigent Markus Neumeyer, die Sngerin Ingrid El Sigai, der Kulturredakteur Hans Riebsamen, die Malerin Friederike Walter, der Politiker Wolfgang Thierse, der Winzer Ulrich Stein und nicht zuletzt die Fotografin Barbara Klemm. 2010
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